Die Stadtgemeinde Ybbs hat in einem Newsletter zum Bürgerforum am 3.11. 2023 eingeladen. Im Folgenden nimmt die überparteiliche „Bürger:Innenbewegung Klare Köpfe“ zu den Aussagen in diesem Newsletter Stellung. (Statements „Klare Köpfe“ farblich hervorgehoben)
GRUNDSÄTZLICH fordern wir, dass die Entscheidungs-GRUNDLAGEN, auf die hier Bezug genommen wird, ÖFFENTLICH BEKANNT gemacht und – wenn nicht vorhanden – ehestens nachgeholt werden. Diese sind:
- Stadträumliches Konzept
- STANDORTANALYSEN für die alternativen Standorte
- Nachnutzungskonzepte von bestehenden Gebäuden
- prognostizierte Verkehrsbelastung
- Verlässliche Kostenschätzungen und Finanzierungskonzepte für die Varianten
- Ausreichende Information der Ybbser Bürger:Innen
- Öffentliche Diskussion
Zu den Aussagen in diesem Newsletter:
Die Vorteile des neuen Standorts im Detail:
1. Wirtschaftlichkeit:
Statement Stadtgemeinde: Die Kosten der Sanierung übersteigen die eines Neubaus.
Diese Aussage ist überhaupt NICHT nachvollziehbar, da KEINE Kostenschätzungen bekannt gemacht worden sind.
Statement Stadtgemeinde: Nachnutzung der bestehenden Gebäude ist Win-win-Situation für Stadt und Anrainer-Betriebe.
- In Verbindung mit schon bestehenden Leerständen in der Innenstadt erscheint diese Aussage viel zu optimistisch, da auch hier keine Konzepte bekannt sind.
- Für welche (Anrainer-)Betriebe sollten die Gebäude von Interesse sein?
- Was sollte in den verschiedenen Gebäuden passieren?
Statement Stadtgemeinde: Möglicher Deckungsbeitrag an den Errichtungskosten durch Erträge aus Verkauf und Nachnutzung.
Diese (schwache) Formulierung lässt vermuten, dass es nichts weiter ist als eine niedrig wahrscheinliche Möglichkeit und KEIN solides Konzept dahintersteht.
2. Nachhaltigkeit
Statement Stadtgemeinde: Die Sanierung der bestehenden Gebäude ist mit modernen Unterrichtskonzepten unvereinbar.
Diese Aussage ist FALSCH. Gelungene, hochqualitative und funktionelle Architektur ist auch im Bestand möglich. Modernste Unterrichtskonzepte sind damit auf jeden Fall zu verwirklichen. Eine von der TU Wien 2019 durchgeführte Entwurfsstudie hat einige sehr sinnvolle Projektvarianten hervorgebracht, die eine gute Basis für einen Wettbewerb am Standort bilden könnten.
Statement Stadtgemeinde: Innovative Ausbildung braucht zeitgemäße Architektur, Ausstattung und Raumkonzepte.
Dieser Aussage schließen wir uns VOLLINHALTLICH an. Innovative Ausbildung braucht zeitgemäße Architektur und gute Baukultur. Diese besteht in der heutigen Zeit in der qualitätsvollen Auseinandersetzung mit dem Bestand und der Vermeidung der Versiegelung von fußläufig erreichbaren Sportflächen.
Statement Stadtgemeinde: Basis für einen Bildungs-Cluster (Campus) in Ybbs an der Donau.
- Von einem Campus zu sprechen ist völlig fehl am Platz: der am Sportplatz vorgesehene Standort hat KEINE Zukunftsfähigkeit, da räumlich und verkehrstechnisch auch äußerst eingeengt – keine Flexibilität für die Zukunft.
- Verlust fußläufig erreichbarer Sportflächen (alle wichtigen Funktionen in einer Stadt sollen in max. 15 min Gehzeit erreichbar sein)
- Es gibt keinen alternativen neuen Ort für die verlorenen Sportflächen. Dieser wäre auf jeden Fall nicht mehr fußläufig mit den anderen Schulstandorten verbunden. Eine Erhöhung des Verkehrsaufkommens und der Unfallrisiken wäre die Folge
- Definition Nachhaltigkeit siehe im Nachsatz
3. Zukunftssicherheit
Statement Stadtgemeinde: Andere zur Diskussion stehende Standorte befinden sich nicht im Eigentum der Gemeinde: hohe Pachtkosten auf Jahrzehnte hinaus wären die Folge, kein Eigentum am Schulneubau.
- Die von den „Klaren Köpfen“ favorisierte Sanierungsvariante steht zur Gänze auf Gemeindegrund!
- Ein Ankauf freiwerdender Gebäude und Grundstücke im Innenstadtbereich sollte forciert werden, um für die Zukunft weitere Möglichkeiten zu schaffen.
- Die fehlende langfristige Planung seitens der Stadtgemeinde ist ein Mangel, der nicht durch einen Schnellschuss gelöst werden sollte und der noch weitere massive wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen wird.
Ein Ankauf freiwerdender Gebäude und Grundstücke im Innenstadtbereich sollte forciert werden, um für die Zukunft weitere Möglichkeiten zu schaffen.
Statement Stadtgemeinde: Hoher Standard am Schulstandort Ybbs kann nur durch Neubau gesichert werden.
- Für diese Aussage FEHLT jegliche SACHLICHE Argumentation.
- Insgesamt ist eine Verlegung der Schulen an diesen Standort (FZZ) eine äußerst kurzfristig gedachte Lösung, die langfristig enorme Kosten verursachen wird und die städtebauliche Qualität noch weiter massiv verschlechtert.
- Alle Bewohner der Stadtgemeinde werden an dieser Fehlentscheidung und den unnötigen Kosten für den neuen Standort jahrzehntelang mitzahlen.
Statement Bürgermeisterin Ulrike Schachner:
Statement Bürgermeisterin Ulrike Schachner: Die Grundsatzentscheidung des Gemeinderates für den Standort des Neuen Schulzentrums beim FZZ ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer modernen, zeitgemäßen Ausstattung unserer HAK/HAS und IT-HTL. Jetzt können die konkrete Planung und alle weiteren Schritte wie etwa die Durchführung eines Architektenwettbewerbes Zug um Zug mit Hochdruck angegangen werden.
Die Durchführung eines Architektenwettbewerbs für ein Projekt dieser Größenordnung ist nur sinnvoll, wenn eine seriöse Bedarfs- und Standortanalyse im Vorfeld durchgeführt wurde, und die Planungsgrundlagen GUT VORBEREITET wurden
Nachsatz zum Begriff „Nachhaltigkeit“.
Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, als gegenwärtig lebende –– Zitat von Volker Hauff 1987 in Unsere gemeinsame Zukunft
Nachhaltiges Bauen bezeichnet einen Planungs- und Bauausführungsprozess und eine Nutzungsweise, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind; d. h. auf Bewahrung des Ökosystems und der Umwelt, auf den Nutzen für Mensch und Gesellschaft und auf Optimierung und Steigerung der ökonomischen Potenziale eines Gebäudes. Aufgrund der großen Bedeutung, die ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Faktoren im Bausektor besitzen, integriert nachhaltiges Bauen diese Faktoren in ein Gesamtkonzept für das Bauwerk –– Zitat von Wikipedia
Zu den grundsätzlichen Überlegungen einer nachhaltigen Planung gehören: die Bedarfsanalyse, die Berücksichtigung der Nutzungsdauer und die Möglichkeit des kontrollierten Rückbaus. Ein Neubau sollte nur dann realisiert werden, wenn zur Deckung des Bedarfs kein Bestandsgebäude (um)genutzt werden kann –– Zitat von http://www.baunetz.de
